Und schon ist es wieder vorbei

Leider habe ich schon nach etwa 30 Stunden, einigen Bergen und 300 Kilometern gedacht, dass ich doch nicht will. Ich kann mich einfach nicht mehr so motivieren wie noch vor ein paar Jahren, bin ja nun auch schon 60. Gegangen wäre es sicher, aber mit viel Quälerei, die ich diesmal nicht haben wollte.

Weil meine Frau und unsere Freunde noch einigermaßen in der Nähe waren, haben sie mich dann in Slowenien abgeholt, und wir sind mit ein paar Zwischenhalts nach Hause gefahren.

Das war auch das erste Mal, dass unser Wohnmobil 4 Reisende an Bord hatte. Dazu haben wir vorher alles rausgeworfen, was nicht dringend nötig war, und blieben damit ganz knapp unter den erlaubten 3500kg. In Deutschland kein Problem, da gibt es 5% Toleranz, aber in Österreich bedeutet schon ein Kilo zu viel jede Menge Geld, Zeit und Ärger.

Es geht auch zu viert – zwei haben im Zelt geschlafen – aber für längere Reisen doch eher suboptimal.

Morgen geht es los!

Wir sind nun zur Anmeldung in Rovereto gewesen und jetzt im 22km entfernten Arco auf einem sehr schönen Campingplatz. Es gibt sogar einen Wasserhahn mit kaltem Sprudel.

Viele interessante Räder gesehen. Niemand, den ich kenne, aber ich habe mich auch schnell verdrückt mit zu wenig Schlaf und etwas Kopfschmerzen. An der Streckenbesprechung kam nichts, was man nicht schon vorher hätte lesen können, was auch für die meisten Fragen der Teilnehmer galt. Aber ein paar hilfreiche Klarstellungen ergaben sich doch. Z.B. ist es wohl nicht gerne gesehen, aber man braucht an den Kontrollstellen auch dann keine Stempel zu holen, wenn sie geöffnet sind. Vorbeifahren reicht, sie sehen ja alles über die Lifetracker.

Aber sie haben nochmal sehr energisch betont, dass die letzten 700km nördlich vom Polarkreis ganz besonders anspruchsvoll sind. Sturm und Regen bei sehr tiefen Temperaturen kann es jederzeit ganz überraschend geben. Und wenn man nachts ankommt, ist da nichts und niemand, man muss dann sehen, wo man Schutz findet. Also besser eine Ankunft bei Tag planen … Ich bin gespannt!

Eine ehemalige Tabakfabrik wurde in den letzten 10 Jahren umgebaut und beheimatet nun viele Start-Up-Firmen
Die Anmeldung lief sehr flüssig
Hier ist alles riesig
Die meisten hätten auch gleich starten können
Die Streckenbesprechung

Von Italien zum Nordkapp

Nun scheint das tatsächlich stattzufinden: Start am 24. Juli in Rovereto, rechts vom oberen Ende des Gardasees. https://www.northcape4000.com hat alle Details und auch eine Karte mit den aktuellen Positionen aller Teilnehmer (die Karte erscheint erst kurz vor dem Start). Es werden wohl knapp 200 Starter sein, und die Werte der letzten Jahre sagen, dass es nur die Hälfte rechtzeitig ins Ziel schaffen wird. Wir haben 22 Tage Zeit, das ist ein Schnitt von exakt 200km pro Tag. Mein Wunschresultat wären maximal 16 Tage. Das wird nicht einfach – letztes Jahr bin ich kaum Rad gefahren, und ich bin lange nicht so fit, wie ich sein sollte.

Petra und zwei Freunde bringen mich mit dem Wohnmobil hin, eine Reservierung für Zug mit Fahrrad habe ich im April mit viel Aufwand, aber vergeblich probiert.

Am 23. Juli queren wir die Grenze nach Italien, und ab genau dem Tag ist mein COVID-Impfausweis gültig (14 Tage nach 2. Impfung). Zum Glück – die Slowakei z.B. verlangt noch von jedem ohne Zweitimpfung eine Quarantäne.

Ich will auch von unterwegs hier regelmäßig bloggen. Weitere Info-Quellen sind Facebook, Youtube, Instagram – die Links finden sich alle auf der Homepage von northcape4000. Nur darum bin ich jetzt auch bei Facebook, da steige ich dann hinterher aber wieder aus.

Mein eigener Lifetracker auf https://rohdewald.de/tracker wird natürlich auch laufen, solange ich keine technischen Probleme habe. Er zeigt blau die zu fahrende Strecke (auch jetzt schon) und rot, was ich schon gefahren bin.

Der Wiegetritt

Auch wenn mir das hier im Norden selten mal jemand glaubt – für mich ist es eine wirkliche Erholung, auch mal für eine Viertelstunde Wiegetritt zu fahren. Ich finde das alles andere als ineffizient.

Das Hauptproblem dabei ist natürlich, dass der Oberkörper nicht mehr vom Sattel getragen wird. Und die Beine sollen das ja auch nicht. Darum beugt man den Oberkörper nach vorne und stützt sich auf dem Lenker ab. Die Oberschenkel werden entlastet, indem man den Kniewinkel möglichst konstant und möglichst groß hält und die Bewegung vor allem im Rücken macht. Das lockert auch Rücken, Schulter, Nacken, Arme. Und natürlich hilft es dem Gesäß. Kopf und Nacken fahren dabei immer noch eine ziemlich gerade Linie – relativ konstante Höhe, und auch seitlich keine Ausschläge.

Die Trittfrequenz verringere ich deutlich, bevor ich aus dem Sattel gehe. Zwei bis vier Gänge – in der Ebene mehr als am Berg. Die Pedale drücke ich dann nur mit meinem Körpergewicht nach unten, aber eben ohne Beinkraft. Oft verwendet man auch mehr Armkraft, um den Lenker immer auf einer Seite nach oben zu ziehen. Entweder will man beschleunigen – dann ist das OK. Oder die Trittfrequenz ist zu tief. Das ist dann aber wieder ineffizient: Die Beine müssen dann erstens doch wieder das Gewicht des Oberkörpers tragen und zweitens die Kraft, mit der man den Lenker nach oben zieht, ausgleichen. Beides ist verschwendete Kraft, und das belastet dann auch die Knie wieder stärker.

Tendenziell brauche ich im Wiegetritt mehr Energie, aber dafür bin ich auch schneller als im Sitzen. Bei mir gleicht sich das ganz gut aus. Ich bin nicht sicher, warum das so ist – vielleicht korreliert das mit dem Körpergewicht: je schwerer, desto größer der Unterschied zwischen Sitzen und Wiegetritt.

Man kann übrigens im Wiegetritt genauso gut schalten wie im Sitzen – man muss nur den richtigen Zeitpunkt finden und dann kurz entlasten. Ich weiß nicht, ob das mit allen Rädern so funktioniert: Ich schalte genau dann, wenn der linke Fuß unten ist. Mit dem rechten wäre es wohl genauso, aber ich brauche Automatismen und mache solche Sachen darum immer genau gleich. Und in genau dem Moment, wo die Kette wechselt, verkrümme ich den Rücken noch etwas mehr, um keinen Druck auf die Pedale zu geben. Das funktioniert sogar, wenn ich vorne und hinten gleichzeitig schalte! (von Hand schwierig, aber die Di2 kann man ja so programmieren, dass sie vorne automatisch schaltet)

Am Anfang und auf längeren Strecken kann es, wenn man das nicht gewohnt ist, Blasen auf den Handballen geben, aber die Haut wird da bald genügend fest. Gute gepolsterte Handschuhe, die aber trotzdem wenig rutschen, sind hilfreich. Und nicht gleich zu viel auf einmal! Wenn die Hände zu lange angewinkelt sind, kann das im Extremfall ein Karpaltunnel-Syndrom geben.

Schließlich bin ich in der Schweiz mit einer Dreigang-Nabenschaltung großgeworden, und auch mit einem Eingang-Militär-Rad kann man über Berge fahren! Da lernt man dann schnell, was geht und was nicht.

Vor etwa einem oder zwei Jahren war darüber mal etwas in einer Fachzeitschrift zu lesen, ich weiß leider nicht mehr, wo. Meine Technik, die ich in meiner Jugend so entwickelt habe, ist dort eine Variante von mehreren gewesen. Es gibt zum Beispiel auch Profi-Radrennfahrer, die gerne in Unterlenker-Position Wiegetritt fahren! Was das bringen soll, weiß ich auch nicht mehr.

Der Wiegetritt wird oft automatisch angewendet, wenn man einen zu hohen Gang fährt oder die Knie zu sehr gebeugt werden, was ineffizient ist. Wenn man im Sitzen die Knie zu sehr beugen muss, ist entweder der Sattel zu niedrig oder die Kurbellänge zu groß. Ich selber bin 176cm hoch und komme mit 165mm-Kurbeln viel besser zurecht als mit den üblicheren 170mm. Die Knie freuen sich drüber. Kinder bräuchten eigentlich eher 150mm oder weniger, bekommen sie aber selten. Und ihr Sattel ist auch meistens zu niedrig. Darum sieht man Kinder besonders oft im Wiegetritt fahren.

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London-Edinburgh-London 2017

Hier ist mein ausführlicher Bericht …
Bericht von Gabi und Hermann
Bericht von Heiner mit dem Velomobil

Video von Gabi
Video von Alexander Neumann
noch ein Video mit Drohne – das ist aber noch nicht fertig. Es zeigt jetzt genau den Teil, in dem ich Probleme mit dem linken Bein hatte.
Und noch ein Video
Noch eines …
Noch eines …

Höhenmeter

Die Höhenmeter (Wikipedia) sagen, wie viele Meter man an Höhe gewinnt. Was man bergab fährt, wird beim Radsport nicht abgezählt.

Es gibt viele Varianten, wie man die berechnet. Je kleinmasstäblicher man das tut, desto größer wird das Resultat. Im Extremfall könnte man bei jedem Schlagloch ein paar Zentimeter dazurechnen, weil man ja ganz kurz bergauf fährt, und damit auf einer Schotterpiste in Holland (nicht dass es die gäbe!) auch erstaunlich viele Höhenmeter zusammen bekommen.

Der Fahrradcomputer Garmin Edge 800, den ich für etwa 2 Jahre benutzte, bis ich ihn wegen seiner vielen teils sehr massiven Softwarefehler frustriert ausrangiert habe, war da sehr großzügig: Leichte Wellen (z.B. 10 Meter bergab und sofort wieder 10 Meter bergauf) wurden ausgeglichen. Darum hatte er immer relativ niedrige Werte, etwa 10-15% tiefer als von gpsies.com berechnet.

Darum ist ein Vergleich dieser Werte nicht sehr hilfreich, wenn man nicht sicher ist, dass sie auf dieselbe Weise berechnet wurden.

Dazu kommt die Qualität: Wenn man 1000 Höhenmeter auf einer sehr kurzen Strecke mit starker Steigung bewältigt, ist das viel anstrengender als eine lange Strecke mit konstant leichter Steigung. Die längere Erholungszeit bei der steileren Variante hilft nicht wirklich, weil vor allem die Spitzenleistung, die die Muskeln zu erbringen haben, bestimmt, wie stark sie ermüden. Die Dauer der Leistung ist zweitrangig.