Und schon ist es wieder vorbei

Leider habe ich schon nach etwa 30 Stunden, einigen Bergen und 300 Kilometern gedacht, dass ich doch nicht will. Ich kann mich einfach nicht mehr so motivieren wie noch vor ein paar Jahren, bin ja nun auch schon 60. Gegangen wäre es sicher, aber mit viel Quälerei, die ich diesmal nicht haben wollte.

Weil meine Frau und unsere Freunde noch einigermaßen in der Nähe waren, haben sie mich dann in Slowenien abgeholt, und wir sind mit ein paar Zwischenhalts nach Hause gefahren.

Das war auch das erste Mal, dass unser Wohnmobil 4 Reisende an Bord hatte. Dazu haben wir vorher alles rausgeworfen, was nicht dringend nötig war, und blieben damit ganz knapp unter den erlaubten 3500kg. In Deutschland kein Problem, da gibt es 5% Toleranz, aber in Österreich bedeutet schon ein Kilo zu viel jede Menge Geld, Zeit und Ärger.

Es geht auch zu viert – zwei haben im Zelt geschlafen – aber für längere Reisen doch eher suboptimal.

Felixens Heizung

Die ist immer wieder für Überraschungen gut. Das ist eine Truma C3400, für die es schon lange keine Ersatzteile mehr gibt, auch nicht bei EBay. Und Ersatz passt nicht an denselben Ort. Wenn es irgendwann nötig ist, würde ich dann eher eine Dieselheizung  (mit Warmwasser) unter das Auto bauen – da ist noch viel Platz.

Das erste Problem kam schon beim  Händler vor dem Kauf, der das Auto, ohne es sich überhaupt genauer anzusehen, direkt weiterverkauft hat. Der erste Besitzer hat bis 110000km alle Wartungen mitgemacht, der zweite hat 60000km lang rein gar nichts gemacht. Sicher kein Öl. Die Bremsen bremsten kaum noch – zu viel Wasser im Kreislauf. Kaum Luft auf den Reifen – nach dem Aufpumpen flog ein Kunststoffventil nach dem anderen weg. Und so weiter.

Und eben die Truma – es kam kein warmes Wasser. Er hat nach (angeblich) mehreren Stunden Arbeit beschlossen, dass Sand die Leitung verstopft hatte, und noch ein Sieb eingebaut. Tatsächlich war es aber der Boiler, den Truma innen emailliert hatte. Im nächsten Jahr hatten sie dann auf Edelstahl rostfrei gewechselt und für Vorjahreskäufer einen kostenlosen Wechsel angeboten, aber das wurde leider bei unserem nicht gemacht.

Dieser Boiler rostet von innen. Da der Zulauf unten ist, setzt er sich immer wieder zu. Ein paar Tipps:

  1. den Boiler im Winter nicht leeren. Das macht dann schon das Frostschutzventil. Wenn es wieder wärmer wird, auffüllen. Mit Wasser rostet es langsamer. Aber natürlich auf eigene Verantwortung! Nebenbei – das originale Frostschutzventil war irgendwann kaputt. Heute gibt es ein neueres Modell, das ganz ohne Strom auskommt. Ist natürlich schon darum zuverlässiger. Mit etwas Basteln passt das auch an denselben Ort
  2. unten war ein 90-Grad-Winkel im Zulauf. Weg damit, es ist genug Platz, um die Zuleitung passend zu biegen
  3. am Zulauf rütteln
  4. Zulauf abnehmen (erst entleeren!) und mit Draht reinstochern. Da kommt man nicht weit, weil im Inneren über dem Zulauf eine waagerechte Metallplatte sitzt
  5. mit Druckluft von unten reinblasen – das bringt richtig viel. Ich habe dazu meinen Kompressor mit 6 Bar genommen
  6. wenn es dann wieder geht, die ganzen Emaille- und Rostpartikel aus den Sieben in den Armaturen entfernen

Dann die Zündung. Im Dezember 2019 wollte sie nicht. Die LED behaupteten aber, alles sei OK. 2020 hatte ich dafür keine Zeit. 2021 ging es dann nur ganz, ganz selten. Dazu gibt es im Internet diverse Tipps. Bei mir hat das geholfen:

  1. so lange aus- und einschalten, bis er aus Versehen zündet
  2. das dann SOFORT wiederholen, möglichst oft. Ein paar mal nacheinander sollte es schon funktionieren

Meine Vermutung ist, dass das Magnetrelais im Inneren nicht mehr sauber war. Wiederholte Benutzung hat es wieder gängig gemacht. Helfen könnte auch, Elektronikreiniger direkt auf das Relais zu sprühen. Ich habe zwar während dieser Übung die Platine gereinigt, aber nicht gezielt versucht, ob man auch ins Relaisgehäuse sprühen kann. Überhaupt muss ich die Steuerplatine alle Jahre ausbauen und reinigen (die Steck-Kontakte mit Radiergummi), damit alles geht.

Ab sofort will ich einmal pro Monat testen, ob die Truma auch wirklich noch anspringt.

Felixens Kühlschrank

Eine der interessanteren Reparaturen war der Kühlschrank. Erstmal war die Auflage für die Türdichtung am Schrank kaputt und verrostet, also alles abgekratzt – das alleine hat gut einen Tag gedauert. Dann Plastikstreifen angeklebt. Das hat nun 8 Jahre gut gehalten. Und unten links noch einen Haken zum Einhängen der Tür gebaut, damit sie auch wirklich dicht schließt.

Irgendwann in der Nacht ging es los: Der Kühlschrank-Kompressor springt an, geht sofort wieder aus, nach 10 Sekunden wieder an, und das endlos.

Nach langem Suchen nach einem neuen Kompressor (etwa 400Euro) den Grund gefunden. Und auch von einem anderen Cicadisten mit demselben Problem erfahren.

Die Strom-Zuleitung zum Kompressor darf laut Einbauanleitung beim Querschnitt 4mm maximal 4 Meter lang sein, direkt ab Batterie, ohne Zwischenschalter, Sicherungen etc.

Tatsächlich waren es etwas 8 Meter, mit Schalter und Sicherung an der Schalterkonsole. War so original verbaut. Mehrere Meter Originalkabel fein säuberlich aufgerollt (hinter dem Kühlschrank).

Das führt zu einem wesentlichen Spannungsabfall auf dem Kabel.

Wenn die Batterie nicht mehr so voll ist, läuft das dann so:

  1. Kompressor springt an
  2. Unterspannung am Kompressor, also geht er aus, um die Batterie nicht tiefzuentladen
  3. volle Spannung ist wieder da, also weiter mit 1.

Lösung: Das Kabel vom Kompressor trennen. Neues Kabel direkt von der Batterie zum Kompressor. Habe ich aber hinter der Hauptsicherung an der Batterie angeschlossen. Der Kompressor ist bei uns von hinten erreichbar, also im Trockenschrank. Dazu erst das senkrechte Brett davor ausbauen. Ich habe auch das waagerechte Brett darüber entfernt, um besser dranzukommen.

Danach:

  1. Problem gelöst
  2. der Schalter an der Schalterkonsole ist wirkungslos
  3. der Kompressor steht immer unter Spannung, er zieht etwa 10mA. Da wir 100W Solar haben, egal
  4. ein- und ausschalten vom Kühlschrank nur in selbigem mit dem Drehregler

Unser Felix

So nennen wir unser Wohnmobil, einen Cicada Spirit auf Sprinterbasis, Baujahr 1995. Er ist etwas in die Jahre gekommen, hat immer wieder Baustellen und auch etwas mehr Rost als gewollt. Aber noch rollt er, mit erst 340000km. Der Unterboden ist sehr gut mit Fett versiegelt, der ist einwandfrei. Gemacht von der Firma TimeMAX in Hamburg. Nur der Lack – der ist dünn und hat einige Roststellen.

Gekauft hatten wir ihn nur wegen unserer Katzen. Wir wollten wissen, ob man sie mit auf Reise nehmen kann (kann man nicht). Aber wir wollten nicht riskieren, dass sie ein Mietfahrzeug ruinieren, darum der Kauf. Ich glaube, bei einem Weiterverkauf heute, 11 Jahre und 170000km später, könnte ich einen ähnlichen Preis bekommen. Sprinter sollte es sein, weil wir Freunde haben, die ihre Mercedesse immer selber reparieren und auch gute Verbindungen zu Fachleuten haben.

Aber auch ohne Katzen hat uns dieses Reisen so gut gefallen, dass Felix dann eben in der Familie blieb.

Immer, wenn es mal wieder Probleme gibt, würde ich ihn am liebsten verkaufen – so auch jetzt wieder. Mitte September werde ich nochmal darüber nachdenken, vorher geht es nochmal nach Schweden. So Corona will.

Noch ein paar interessante Links:

  • für den Verkauf wurde mir https://saveacamper.com/ empfohlen
  • Sprinterforum, da ist auch der Erbauer der Cicadas zu finden (sein letzter Beitrag ist aber von 2017). 2020 wurde über dieses Forum noch ein Treffen von Cicadisten organisiert. Nach „Schwabenmobil Cicada“ suchen
  • zwei Cicadistinnen: https://www.perspektivan.de/. Sie haben auch eine Gruppe zum Cicada bei Facebook. Facebook will ich allerdings nur benutzen, wenn es gar nicht anders geht. Also nur bei Bedarf ein Konto anlegen und baldmöglichst wieder löschen. Facebook und ich sind geteilter Meinung, was den Wert meiner Daten betrifft

Felix leisergelegt

2015 wurde er uns dann doch auf Dauer zu laut. Was aber nicht am Auto lag, sondern an uns. Also

  1. vorne alles soweit ausgebaut, dass zwischen Innenraum und Motorraum nur noch Metall war
  2. alles mit Antidröhnmatten beklebt (Terodem SP300 von Teroson). Das ist eine Mischung aus Teer und Kunststoff, wir haben insgesamt etwa 20kg verbaut
  3. vorne den ganzen Fußboden aufgemacht und auch alles mit Dämmmaterial belegt. Danach ein Loch in die Fußmatte geschnitten, damit der Kickdown auch mit dem höheren Boden noch geht (es ist ein Automat). Insbesondere auch das Loch im Boden, wo der Automatik-Knüppel (ein passenderes Wort fällt mir nicht ein) durchgeht, gut zugemacht
  4. nun waren plötzlich Fahrer- und die Beifahrertür so laut. Also auch die auseinandergebaut und mit Antidröhn ausgeklebt
  5. dann war die Schiebetür das Lauteste, also ebenso. Und auch gleich die gegenüberliegende Wand
  6. nun war das Lauteste der Wind an Fahrer- und Beifahrertür, also zusätzliche Dichtgummis eingebaut

Jetzt ist er geschätzt so leise wie ein Sprinter Baujahr 2010, ein Riesenunterschied!

Alles überklebt, auch von vorne. Dämmplatten kamen auch unter den Fußboden und auch das Loch vom Automatik-Hebel, der direkt bis zum Getriebe geht, wurde gedämmt

 

Das mit den Kabeln ist gar nicht so schlimm – Mercedes verwendet für alles unterschiedliche Stecker

 

Auch diese Flächen haben ganz schön gedröhnt

 

E-Wohnmobil 2027

Für uns stellt sich immer wieder die Frage, ob wir unser 21 Jahre altes Wohnmobil behalten oder ersetzen wollen. Nun haben wir uns für das Behalten entschieden – weil ich davon überzeugt bin, dass es in 10 Jahren auch rein elektrisch betriebene Wohnmobile geben wird. Also 2027. Bis dahin soll das jetzige noch halten.

Zur Zeit werden weltweit massiv Kapazitäten für die Batterie-Produktion aufgebaut, die Preise sind in den letzten 2 Jahren schon deutlich gesunken und haben noch viel Potenzial nach unten. Gleichzeitig bin ich fest davon überzeugt, dass Batterien in 10 Jahren bei gleichen Gewicht mindestens doppelt so leistungsfähig sind. Das sollte es möglich machen, Wohnmobile mit einer Reichweite von mindestens 1000km zu bauen.

Ich stelle mir so ein E-Womo mit einem sekundären Generator (Gas, Diesel oder Wasserstoff) vor, der aber nur die Batterien auflädt. Der gesamte Antrieb wird elektrisch sein, auch das Kochen mit Induktion und das Heizen mit Fußbodenheizung plus Heißgebläse. Natürlich mit Solarzellen auf dem Dach.

Es fällt ja dann auch viel an Gewicht weg – die Elektromotoren (ich nehme an direkt an den Rädern) sind sicher viel leichter als ein heutiger Dieselmotor mit Getriebe, Kühler, Kraftübertragung zu den Rädern und was sonst noch so dazu gehört. Dazu die 80 Liter Dieseltank, etwa 8 Liter Kühlwasser, etwa 60kg für die Gasanlage mit 2 vollen Flaschen und so weiter. Darum glaube ich nicht, dass so ein E-Womo schwerer sein wird als ein heutiges mit Diesel.

Update: Laut www.heise.de vom 26.12.2017 glaubt der Geschäftsführer von Hymer nicht, dass man so etwas in den nächsten 5-6 Jahren bauen könne. Was im Umkehrschluss bedeutet – später vielleicht schon. Er mache darauf aufmerksam, dass viele Neuentwicklungen in der Pipeline sind, von denen manche, wenn sie zur Marktreife kommen, alles ganz anders werden lassen könnten. Dabei würde ich bedenken, dass Hymer natürlich wie jede Firma seine Investitionen schützen muss – wenn so ein Womo für eher zu erwarten wäre, könnte der Neuverkauf der bisherigen Modelle darunter schon heute leiden. Hymer wird es also eher für sich behalten wollen, wenn sie in dieser Richtung entwickeln.

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